REFLEXION II – Kompass für den digitalen Wandel

  1. Ausgangslage

In dieser Reflexion möchte ich den Kompass für den digitalen Wandel thematisieren und diesen auf meine Schule anwenden. Ich bin am 12.11.2020 im Rahmen der PICTS-Weiterbildung erstmals in Kontakt gekommen mit diesem hilfreichen Kartenset.

Bild von kompassdigitalerwandel.ch (18.02.2020)

Dieser Kompass ist äusserst hilfreich, wenn man Schulentwicklungsprozesse im Themenbereich des digitalen Wandels analysieren möchte, da solche Prozesse vielschichtig und komplex sind.

«Um einen Überblick über die verschiedenen Faktoren zu gewinnen und daraus mögliche Handlungsfelder und Prioritäten abzuleiten haben wir ein Kartenset entwickelt, das fünf Dimensionen von Schulentwicklung (nach Schulz-Zander) in verschiedene Faktoren auffächert und diese visuell darstellt.» Quelle: https://kompassdigitalerwandel.ch/

Bild von kompassdigitalerwandel.ch (18.02.2020)
Kompass-Dimensionen von kompassdigitalerwandel.ch (18.02.2020)

In der Folge sollen diese fünf Dimensionen auf die Berufsschule Rüti ZH angewendet werden.

Anwendung der fünf Dimensionen, Thomas Staub/PHZH, https://kompassdigitalerwandel.ch/ (18.02.2021)

2. Fragestellung und Begründung

Wie sieht der IST-Zustand der Berufsschule Rüti ZH bez. digitalem Wandel aus und wo liegen die grössten Herausforderungen («Baustellen»)? Wenn es darum geht, die Schule in die digitale Zukunft zu begleiten und hierfür die wichtigsten Aspekte zu berücksichtigen und nicht zu vergessen, ist eine systematische 360 Grad-Analyse unumgänglich; hierfür eignet sich der oben erwähnte Kompass für den digitalen Wandel besonders gut.


4. Eigentliche Reflexion

Durchführung Analyse

Darstellung der Kompass-Analyse auf einem A3-Blatt (datiert vom 19.11.2020); bessere Auflösung siehe PDF

Ich analysierte – zusammen mit Daniel Schwarz, der die PICTS-Ausbildung auch besucht und mit mir an der Berufsschule Rüti arbeitet – anhand dieser fünf Dimensionen unsere Schule. Dabei ging es darum, die Dimensionen Organisation/Struktur (1), Unterricht (2), Personen/Kompetenzen (3), Infrastruktur (4) und Team/Kooperation (5) vertieft zu betrachten.

Bez. Lesbarkeit ist es so, dass wir mit Farben gearbeitet haben; ist etwas nicht/neutral oder grün markiert, ist es aus unserer Sicht in Ordnung. Ist etwas rot/rose markiert, besteht Handlungsbedarf. Ebenfalls haben wir mit mit dem Bewertungsraster ++ (= sehr gut) / + (= gut) / – (= ungenügend) / — (= schlecht) gearbeitet; die neutrale 0 in der Mitte haben wir bewusst weggelassen, um so zu entscheiden, ob eine negative oder eine positive Tendenz vorhanden ist.

Analyse der fünf Dimensionen

  • (1) Organisation/Struktur (= ungenügend): Grundsätzlich schätzen wir unsere Schule als durchaus positiv ein. Nur schon die Tatsache, dass wir zu zweit den CAS PICTS BFS besuchen dürfen, zeigt, dass digitale Themen als wichtig erachtet werden. Bei der genaueren Betrachtung fällt jedoch auf, dass es eine klar Vision für den Unterricht im Jahre 2030 nicht geben. Ebenfalls existiert keine Medien- und ICT-Konzept. Was zudem als negativ erachtet wird, ist die nicht trennscharfe Abgrenzung zum IT-Team sowie die z. T. unklare und uneinheitliche Handhabung der Zusatzstunden.
  • (2) Unterricht (= neutral): Das Lernen resp. die Lernenden stehen bei diesem Kompass-Modell im Vordergrund. Hier stellt sich ja u.a. die Frage, wie man den Unterricht verändern muss, damit die Lernenden auf den digitalen Wandel vorbereitet sind und werden. Eine eigentliche Analyse fanden wir eher schwierig. Viel mehr haben wir Aspekte aufgeführt, die hier wichtig sind: Regeln, LMS, Prüfungen/Beurteilungen, Lehr- und Lernkultur. Ganz klar im Vordergrund steht hier jede einzelne Lehrperson, die (auch) als Vorbild agieren und sich bspw. mit digitalen Tools auskennen muss.
  • (3) Personen/Kompetenzen (= ungenügend): In diesem Bereich besteht eine grosse Unklarheit, was Lehrpersonen können müssen, um heute unterrichten zu können (Kompetenzen). Im Rahmen des «Onboardings» (Tag, an dem die Lernenden alle Programme auf ihrem Computer installieren und erstmals anwenden müssen) haben wir schulintern – bei einer Sitzung der Arbeitsgruppe ICT – darüber diskutiert, welche Kompetenzen eine Lehrperson heutzutage haben muss. Hierzu haben wir verschiedene Möglichkeiten evaluiert und zwei Methoden etwas genauer angeschaut (acht digitale Basiskompetenzen der PHZH und Europäischer Rahmen für die Digitale Kompetenz DigCompEdu – siehe auch REFLEXION III). Unklar sind die Minimalanforderungen an Lehrpersonen sowie mögliche Weiterbildungsangebote.
  • (4) Infrastruktur (= sehr gut): Die Infrastruktur an der Schule ist grossartig. Dies hängt zu einem grossen Teil mit dem IT-Team zusammen, das mit 400-Stellenprozenten sehr gut besetzt ist und jederzeit hilfsbereit unterstützt. Die Infrastruktur (insbesondere Lehrerzone) im Lehrerzimmer ist ausserordentlich gut und vergleichsweise fortschrittlich (WACOM-Tablet / Mini-Touchpad für Bedienung von Beamer, Video, Visualizer, etc. Hard- und Software ist auf dem neuesten Stand und hervorzuheben ist zudem der eigene Moodle-Server, der unabhängiges Arbeiten ermöglicht.
  • (5) Team/Kooperation (= gut): Obwohl ganz viel bez. der Aufgabenbereiche innerhalb der Arbeitsgruppe ICT unklar ist (eigentliches Ziel, Aufgaben nächste Schritte, Zeitplanung, Finanzen/Budget), dürfen wir konstatieren, dass ein sehr gutes Klima in der Schule herrscht und – so weit wir das beurteilen können – ganz viele Lehrpersonen gerne an der Berufsschule Rüti unterrichten.

Zusammenfassend können wir festhalten, dass wir vorab in drei Bereichen ansetzen würden, da wir diese als prioritär betrachten:

A – Erstellung von Medien- und ICT-Konzept

B – Formulierung einer klaren Vision (bspw. Berufsschule Rüti – digitales Unterrichten 2030)

C – Evaluation Kompetenzen Lehrpersonen mithilfe von «DigCompEdu»


AUSBLICK

ZUKÜNFTIGE TÄTIGKEIT ALS LP, MITGLIED DER ARBEITSGRUPPE ICT AN UNSERER SCHULE SOWIE ALS PICTS (INKL. PERSÖNLICHE WEITERENTWICKLUNG)

Der Kompass für den digitalen Wandel gibt mir als LP und vor allem als PICTS ein ideales Werkzeug, um sachlich und vertieft eine Analyse durchzuführen. Eine solche Analyse braucht Zeit und ist auch nur eine Momentaufnahme. Es ist bestimmt hilfreich, dass man sich auf gewisse Aspekte fokussiert und diese dann optimiert. Für meine Arbeit als PICTS ist es wichtig, dass ich diese Analysen und deren Ergebnisse teile. Erkenntnisse sind teilweise negativ; doch dank der Kompassanalyse fällt – wie ich finde – ein negatives Ergebnis nicht auf mich zurück. Viel mehr geht es darum, ein Instrumentarium zur Verfügung zu haben, welches auf spielerische aber dennoch seriöse Art und Weise (namentlich als Kartenset) äusserst praktische Analysen von Schulentwicklungsprozessen zu machen.

3. Schlussbetrachtung

Nach der Anwendung dieses Kompasses kann ich zwei Punkte herausstreichen:

  1. Die eigentliche Analyse ist dank der farbigen Karten sehr logisch aufgebaut. Auf der Hinterseite jeder Karte gibt es zusätzliche Infos, die absolut hilfreich sind. Es hilft, wenn man für die Analyse einen riesigen Tisch zur Verfügung hat. So kann man diese 34 Karten gut verteilen und anordnen. Wir haben es so gemacht, dass wir fast zu jeder Karte einen Kommentar abgegeben haben. Es hat sich als ideal herausgestellt, dass wir mit unserem Kriterienraster (++/+/-/–) gearbeitet haben; interessanterweise fanden Daniel Schwarz und ich immer sehr schnell einen Konsens.
  2. Eine grosse Frage ist, wie schon oben erwähnt, die Diskussion der Ergebnisse mit Betroffenen (insbes. Schulleitung). Wie konfrontiere ich die Schulleitung mit der Tatsache, dass gewisse Aspekte suboptimal sind? Was hier sicher hilft, ist, dass wir an unserer Schule zwei PICTS sind und uns so bei der Präsentation der Ergebnisse gegenseitig unterstützen können.

QUINTESSENZ

Der Kompass für den digitalen Wandel ist ein grandioses Tool, um wesentliche Aspekte einer Schule mit überschaubarem Aufwand zu evaluieren. Das farbenfrohe und ideal visualisierte Kartenset ist grossartig! Dankeschön PHZH, vielen Dank Andrea Kern und Thomas Staub.

(C) Stefan Köppli, 18. Februar 2021